Kriegsgefangen
Theodor Fontane
Belletristik / Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Beschreibung
"e;Kriegsgefangen"e; ist ein faszinierendes autobiographisches Werk von Theodor Fontane, in dem er seine Erlebnisse als Kriegsberichterstatter im Deutsch-Franzosischen Krieg schildert. Im September 1870 brach Fontane auf und reiste durch verschiedene Stadte wie Weienburg, Worth und Nancy, bis er am 5. Oktober 1870 in Domremy-la-Pucelle, dem Geburtsort von Jeanne d'Arc, gefangen genommen wurde. Bei seiner Festnahme wurden ein Dolch, eine Pistole und Legitimationspapiere fur preuische Militardienststellen sowie eine unbefugt getragene Rotkreuzbinde bei ihm gefunden. Als vermeintlicher preuischer Spion wurde er von einer aufgebrachten Bevolkerung von einem Festungsort zum nachsten gebracht, bis er schlielich auf der Atlantikinsel Oleron landete. Fontane uberlebte die zweimonatige Kriegsgefangenschaft dank zahlreicher Rettungsinitiativen, an denen uber 50 Personen beteiligt waren. Dazu gehorten Freunde wie Moritz Lazarus und Bernhard von Lepel, der Schweizer Bundesprasident Jakob Dubs sowie der franzosische Justizminister Adolphe Cremieux. Die Rettung erfolgte in mehreren Schritten: Fontane wurde zunachst vom Vorwurf der Spionage freigesprochen, jedoch nicht aus der Haft entlassen. Dank der Intervention des Erzbischofs von Besancon, Kardinal Cesaire Mathieu, erhielt er den Status eines officier superieur. Schlie lich handelten preu ische Regierungsvertreter und der US-amerikanische Botschafter in Paris, Elihu Benjamin Washburne, die Freilassungsmodalitaten mit dem franzosischen Kriegsminister Leon Gambetta aus. In seinem Werk schildert Fontane die franzosischen Nachbarn mit gro er Sympathie und betont die Menschlichkeit und Fairness, mit der er und andere deutsche Kriegsgefangene behandelt wurden. Er hebt die absolute Korrektheit der franzosischen Behorden hervor, die die Gefangenen vor Ubergriffen des aufgehetzten Stra enpobels schutzten. Kritisch beschreibt er jedoch die anfangs mangelnde Versorgung der bei Orleans gefangen genommenen kranken Soldaten, bis der Festungskommandant deren Verlegung in Lazarette durchsetzte. Fontane zitiert auch die Berichte anderer deutscher Soldaten uber ihre Gefechte und Gefangennahme. Wie in seinen anderen Werken des Realismus besticht er durch detailreiche Beschreibungen der Ortlichkeiten und einen psychologischen Scharfblick, der die Charaktere mit humorvoller Anteilnahme lebendig werden lasst. "e;Kriegsgefangen"e; ist ein eindrucksvolles Dokument der Zeitgeschichte, das die Schrecken des Krieges und die Menschlichkeit inmitten von Feindseligkeiten eindrucksvoll beschreibt. Fontanes Erzahlkunst und sein feiner Humor machen dieses Werk zu einer fesselnden Lekture, die den Leser tief beruhrt und zum Nachdenken anregt.